Stromtarif für Gewerbe: Was zählt wirklich?
Wer einen Gewerbestrom-Tarif sucht, schaut meist zuerst auf den Preis pro Kilowattstunde. Für einen Betrieb ist das nur ein Teil der Rechnung. Ein großer Anteil der Stromkosten hängt nicht davon ab, wie viel Sie verbrauchen, sondern wann und wie gleichmäßig. Wer nur den Kilowattstundenpreis vergleicht, übersieht genau diese Positionen.
Woraus sich ein Gewerbestrompreis zusammensetzt
Auf einer Gewerbeabrechnung stehen mehrere Positionen, die auf unterschiedliche Weise zustande kommen. Nur ein Teil davon wird mit dem Lieferanten verhandelt, der Rest wird vom Netzbetreiber festgelegt oder ist gesetzlich vorgegeben. Beeinflussen lassen sich trotzdem fast alle, nur eben nicht über den Tarifwechsel allein.
Warum ein Gewerbetarif anders verglichen wird
Ein Haushaltstarif lässt sich mit zwei Zahlen vergleichen: Grundpreis und Arbeitspreis. Im Gewerbe kommen Größen dazu, die in keinem Vergleichsportal stehen und trotzdem über die Kosten entscheiden.
Lastprofil
Ab 100.000 Kilowattstunden im Jahr wird Ihr Verbrauch in 15-Minuten-Werten gemessen. Der Lieferant kalkuliert seinen Preis auf genau dieses Profil. Zwei Betriebe mit gleichem Jahresverbrauch erhalten deshalb unterschiedliche Angebote.
Leistungsspitzen
Die höchste Viertelstunde des Jahres bestimmt den Leistungspreis. Ein Tarifvergleich, der nur Kilowattstunden zählt, blendet diese Position komplett aus.
Laufzeiten und Preisbindung
Festpreis über ein, zwei oder drei Jahre, Preisanpassungsklauseln, Kündigungsfristen. Welche Laufzeit passt, hängt von der Marktlage zum Abschlusszeitpunkt und von Ihrem Bedarf an Planungssicherheit ab.
Unterjährige Beschaffung
Größere Abnehmer kaufen ihren Strom nicht an einem Stichtag, sondern in Tranchen über das Jahr verteilt. Das verteilt das Preisrisiko, verlangt aber ein Beschaffungskonzept.
Mehrere Standorte
Filialen, Lager und Produktionsstätten liegen oft in unterschiedlichen Netzgebieten mit unterschiedlichen Netzentgelten. Eine Bündelung der Verträge kann sinnvoll sein, muss aber pro Standort gerechnet werden.
Was das für den Vergleich heißt
Ein Gewerbetarif wird nicht verglichen, sondern gerechnet. Grundlage sind Ihre Abrechnungen und Ihr Lastgang, nicht eine Tabelle mit Cent pro Kilowattstunde.
Was wir uns bei Ihrem Tarif anschauen
Wir prüfen Ihren Gewerbestromvertrag entlang aller Positionen, nicht nur entlang des Arbeitspreises. Für die Beschaffung arbeiten wir mit unserem Partner TeamGermany zusammen und sind an keinen Versorger gebunden.
Wann ein Wechsel sinnvoll ist
Nicht jeder Vertrag muss gewechselt werden. Diese Situationen sprechen dafür, den Tarif prüfen zu lassen:
- Ihr Vertrag hat noch eine lange Restlaufzeit mit fester Preisbindung. Dann ist ein Wechsel meist erst zum Laufzeitende möglich, und wir planen ihn mit Ihnen rechtzeitig.
- Ihr Preis liegt bereits nahe am aktuellen Marktniveau. Ein Wechsel würde Aufwand kosten, aber wenig verändern.
- Der größte Kostenblock sind Netzentgelte und Leistungspreis. Diese Positionen ändern sich durch einen Lieferantenwechsel nicht. Hier helfen eher Lastmanagement oder ein Speicher.
- Ihr Verbrauch liegt deutlich unter 100.000 Kilowattstunden und ist gleichmäßig. Dann verhält sich Ihr Vertrag ähnlich wie ein Haushaltstarif, und der Vergleich ist überschaubar.
Häufige Fragen
Warum kann ich Gewerbestrom nicht einfach über ein Vergleichsportal vergleichen?
Portale vergleichen Grundpreis und Arbeitspreis. Ab 100.000 Kilowattstunden im Jahr kalkuliert der Lieferant sein Angebot aber auf Ihr individuelles Lastprofil, und der Leistungspreis des Netzbetreibers kommt hinzu. Zwei Betriebe mit gleichem Jahresverbrauch erhalten deshalb unterschiedliche Preise, die in keiner Tabelle stehen.
Welche Kosten ändern sich durch einen Lieferantenwechsel nicht?
Netzentgelte, Leistungspreis, Messstellenbetrieb, Steuern und Umlagen werden vom Netzbetreiber festgelegt oder sind gesetzlich vorgegeben. Sie bleiben bei einem Wechsel des Lieferanten gleich. Verhandelt wird nur der Anteil für die gelieferte Energie, also der Arbeitspreis und gegebenenfalls ein Grundpreis.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Tarifwechsel?
Sinnvoll ist die Prüfung mehrere Monate vor Laufzeitende, damit nicht unter Zeitdruck verhandelt wird. Auch nach größeren Veränderungen im Betrieb, etwa neuen Maschinen, Ladesäulen oder einer PV-Anlage, lohnt ein Blick auf den Vertrag. Wer in der Grund- oder Ersatzversorgung gelandet ist, sollte zeitnah handeln.
Welche Unterlagen brauchen Sie für eine Tarifprüfung?
Die letzten ein bis zwei Jahresabrechnungen von Lieferant und Netzbetreiber sowie den aktuellen Liefervertrag mit Laufzeit und Kündigungsfrist. Bei registrierender Leistungsmessung hilft zusätzlich der Lastgang in 15-Minuten-Werten. Damit lässt sich Ihr Vertrag entlang aller Positionen bewerten.
Lassen Sie uns Ihren Vertrag durchrechnen
Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Ihre Abrechnung an und sagen Ihnen, ob eine Analyse für Sie sinnvoll ist. Rufen Sie uns an unter +49 771 16280 500 oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite.